Birgid Vietz

Aktuelles

Neue Arbeiten, ausgestellt im Kloster Schönau bei Strüth

Die Künstlerin arbeitete im vergangenen Jahr an dem Thema Horizonte. Sehen Sie hier Beispiele der neuesten Arbeiten. Diese Arbeiten waren im November und Dezember sehr erfolgreich im Kloster Schönau ausgestellt.

Was verstehen Sie unter dem Begriff Horizont? Eine individuelle Sichtweise, Horizonte der Wissenschaften, ganz konkret den Horizont oder etwas ganz anderes?

Die Kunsthistorikerin Brigitte Boesken würdigte die Arbeiten von Birgit Vietz bei der Eröffnung im Kloster Schönau wie folgt:
„Birgid Vietz ist eine vielseitige Künstlerin, in deren Werk Holzdrucke, Skulpturen, Gefäße aus Ton, Collagen und das gemalte Tafelbild gleichberechtigt nebeneinander existieren.
Ausgebildet an der Werkkunstschule Merz in Stuttgart, der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und an der Städelschule in Frankfurt ist Birgid Vietz mit allen Strömungen der Kunst der Moderne vertraut. Richtungweisend für die Erarbeitung ihres eigenen künstlerischen Ausdrucks ist die Beschäftigung mit fernöstlicher Ästhetik. Angeleitet von einem in Japan ausgebildeten Lehrer, hat sie sich in der Kunst der Kalligraphie geübt, bei der es dem Geist des Zen entsprechend, auf die spontane, absichtslose und doch achtsame Ausführung in größtmöglicher Perfektion ankommt. Diese Prinzipien werden bestimmend für ihr gesamtes Schaffen, das zwischen Expressivität und Abstraktion angesiedelt ist.
Diese Ausstellung konzentriert sich auf das Motiv der Landschaft, das Birgid Vietz in unterschiedlichen Techniken immer wieder aufgreift. „Horizonte“ nennt sie ihre in diesem Jahr entstandenen Landschaftsimpressionen, was als übergeordneter Begriff alle anderen Landschaftsbilder einschließt, denn immer endet Landschaft irgendwo an einem Horizont.
Seit Mitte der 90 iger Jahre lebt Birgid Vietz auf verschiedenen Höhen von Rheingau und Taunus, dabei immer den Rhein und das Rheintal bei jeder Fahrt in die Metropolen der Region vor Augen, ebenso wie den Blick über die Höhenzüge des Gebirges mit seinen tiefen Tälern und den sanft geschwungenen Hügeln. Diese Eindrücke hat sie in den Bildern festgehalten, in denen sie Streifen von grünen, gelben, blauen, violetten, roten Farben und noch viel mehr Tönen dazwischen, horizontal übereinander schichtet bis zu einer Demarkationslinie, die das Land vom Himmel trennt. Die Farbgebung, der Zusammenklang all dieser Schichtungen, ruft unterschiedliche Assoziationen an Jahres- oder Tageszeiten hervor, an Sonnenschein oder Regen, an das Spiel von Wolkenschatten über dem Land. Es ist immer der Blick von einem erhöhten Standort aus in die Weite der Landschaft, so wie man es auf dem Weg hierher erleben kann. Und doch ist es kein bestimmbarer Ort, sondern die Kondensation vieler Sinneseindrücke, die sich mit der Vorstellung von Landschaft verbinden. So mag mancher in ihnen auch den Blick auf das Meer erkennen, das sich hinter Feldern und Wiesen erstreckt, wenn die Horizontlinie von kräftigen Blautönen akzentuiert ist, hinter der sich die Farben des Landes pastellig im Himmel spiegeln. Doch ganz gleich was diese Bilder darstellen mögen, sie treten mit der Intensität ihrer Farben in Resonanz mit dem Betrachter.
Solches geschieht auch bei den kleineren monochromen Landschaften, die allein durch die Farbe unterschiedliche Stimmungen vermitteln. Dass es sich bei diesen Bildern ebenfalls um Landschaften handelt, verdankt sich der kollektiven Erfahrung, die aus der Wahrnehmung von Natur und Landschaft resultiert. Dunkle Farbmassen auf der unteren Bildhälfte und hellere Farben in der oberen werden bald als Himmel und Erde enstschlüsselt. Manchmal sind es nur wenige Pinselstriche mit denen das Land angedeutet wird, manchmal türmen sich Farbmassen dramatisch auf, evozieren Gewitter oder Sturm, und gelegentlich kehrt Ruhe ein in sanften horizontal angeordnetem Blau und Braun.
Das Motiv der Landschaft hat Birgid Vietz auch in der Collage vielfach bearbeitet. Ähnlich den großformatigen Leinwänden hat sie Streifen farbigen Papiers streng horizontal übereinander geordnet, unterbrochen von wenigen vertikal die Linearität überschneidenden Formen. Der gewitzte Betrachter vermag alsbald in dieser Chiffrierung Papierschiffchen, Segel und Lastkähne entdecken, die auf einem Fluss dahintreiben.
Und manchmal darf eine Landschaft - leicht abstrahiert - auch ganz heiter als Fluss, Ufer, Baum und Wiese daherkommen, bekrönt von einem strahlenden Gestirn.

Birgid Vietz steht mit ihren Arbeiten in einer kaum überschaubaren Tradition des Landschaftsbildes. Die Kunstgeschichte ist reich an Darstellungen unterschiedlichster Gegenden wie Gebirgspanoramen und Seestücke, Ideallandschaften des Barock, Rheinromantik im 19. Jahrhunderts, und unzählige Werke, in denen der Künstler seine heimatliche Landschaft porträtiert.
Worin liegt also die Faszination für die Künstler und für die Betrachter? Es wäre zu vermuten, dass diese Naturstücke Ausdruck einer Sehnsucht sind, einer Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, nach Aufgehobensein in einer allumfassenden Einheit. In der Betrachtung der Landschaft, die erst seit Beginn des 16. Jahrhunderts zu einer eigenen Gattung der Malerei avanciert, mag der Mensch sich seiner Verbundenheit mit der Erde vergewissern, wie schon Augustinus bekennt ... „im großen Hof meines Gedächtnisses. Daselbst sind mir Himmel, Erde und Meer gegenwärtig.., ’ dies ein Lieblingszitat des Dichters Peter Huchel und zutreffend auch über die Distanz von 1500 Jahren hinweg bis in unsere Zeit.’

Privatunterricht im Wohnatelier wieder möglich

Ab sofort können Einzelpersonen und Gruppen bis vier Personen bei der Künstlerin Privatunterricht in Geisenheim-Stephanshausen nehmen. Kontakt über diese Seite oder telefonisch über 06722-495624.

Ob Aquarell- oder Ölmalerei sowie Zeichnen als Ausgangstechnik für alle künstlerischen Disziplinen und Modellieren mit Ton bietet die Künstlerin für Einzelpersonen und Gruppen bis vier Personen in kreativer Atmosphäre an.